In bocca al lupo

30. Oktober 2019

Genialität und Wahnsinn sind eineiige Zwillinge. Für Außenstehende bisweilen kaum unterscheidbar. Bisweilen ecken sie an, stoßen vor den Kopf, irritieren und nerven ganz fürchterlich. Und doch sind es gerade diese beiden, die das Leben schön bunt machen. Deshalb suchen wir immer wieder ihre Gesellschaft. Kürzlich etwa beim Kaltern Pop Festival.

 

Es ist kein Zufall, dass Kreative von Zeit zu Zeit in die großen Metropolen pilgern, um Inspiration zu finden. Um Neues zu sehen, zu hören, zu erleben. Höchst selten, aber manchmal eben doch, statten die Metropolen dann auch der dörflichen Idylle einen Besuch ab. Wirbeln Staub auf und nisten sich für kurze Zeit zwischen Kirchtürmen und eingefahrenen Denkmustern ein. Das Kaltern Pop Festival ist so ein Besuch. Einer der auf den ersten Blick vielleicht irritiert und verwundert. Und auf den zweiten einfach nur Freude macht. Ein alternatives Musikfestival am Kalterer See, das einen an der Hand nimmt, durch Weinberge und schmale Gassen führt, in Kirchen, über Schulhöfe und hoch hinauf auf den Mendelpass. Und so Großes im Kleinen bewegt. Entstanden als kleine Schwester des Haldern Pop Festivals, das seit 1984 jährlich in Haldern am Rhein stattfindet, ist das Festival in Kaltern längst zum beliebten Treffpunkt für Genießer und Freunde alternativer Klänge geworden. Für internationale Künstler, musikalische Neuentdeckungen und ein breites Publikum, das sich gerne mal auf Ungewohntes einlässt. Die Motivation und die größte Herausforderung der Veranstalter ist dabei, jegliche musikalische Erwartung zu emanzipieren. Wie das geht? Durch komplette Überrumpelung, die erstmal vor den Kopf stößt und dann verzaubert. Gute Connections in der Musikszene und ein klein wenig Größenwahn gehören natürlich auch dazu, wenn man ein Festival abseits des Mainstream auf die Beine stellen will. Es scheint zu funktionieren. Kürzlich erlebt: Das Kaltern Pop Festival 2019. Drei Tage vollgepackt mit Neuem, Verrücktem und Inspirierendem. Mit seltsamen Tönen und fremden Sprachen im Ohr, mit gutem Wein und beinahe kitschigen Herbstpanoramen. Kuriose Klänge von zeitgenössischem Pop über Folk und Indie-Rock bis hin zu jazzigen und futuristischen Beats, Rap, Bossanova, Funk und Soul. Singer-Songwriter und experimentierfreudige Combos, die ganz neue Wege gehen. Mal feinfühlig und leise, mal laut, schrill und nahe an der Schmerzgrenze. Im Prunksaal am Boden hockend und begleitet von feinen Akkordeon-Klängen, flüstern Hunderte von Stimmen „in bocca al lupo“. Und wir wünschen uns nur Eines: viele, viele weitere Ausgaben von Kaltern Pop. Crepi il lupo!

 

Hier erlebt: Kaltern Pop Festival
Bild by SANNI

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